Nach neuesten Erkenntnissen sind alle Trinkwasserinstallationssysteme von Gebäuden durch Mikroorganismen bedroht, trotz einer guten Wasseraufbereitung. Durch Betrieb, Bau oder Planung einer Anlage können Vermehrungsbedingungen für Bakterien übersehen oder begünstigt werden.

Nach der europäische Trinkwasserrichtlinie 98/83/EG und der deutschen Trinkwasserverordnung ist ein besonderer Schutz des Trinkwassers gesetzlich vorgeschrieben. Das Umweltbundesamt und der DVGW unterstützen diese Thematik mit weiteren Vorgaben und Richtlinien.

Vor allem Legionellen (Bakterien im Warmwasser) bergen eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit. Schätzungen gehen von jährlich ca. 15. - 30.000 Menschen aus, die durch Legionellen infiziert werden. 3.000 Lungenentzündungen enden dabei tödlich.

Die Bakterien vermehren sich in Trinkwasseranlagen gerade dort, wo Wasser stagniert und kein Wasseraustausch stattfindet. Besonders gefährlich sind Leitungen, die noch am Trinkwassernetz hängen, aber nicht mehr benutzt werden. OderLeitungen, die technische Mängel haben. Mietwohnungen, die über einen längeren Zeitraum nicht genutzt worden sind, können zu einem Risikofaktor werden, der im schlimmsten Fall dafür sorgt, dass das Trinkwassersystem des ganzen Hauses dekontaminiert werden muss.

Legionellen können sich aber auch lange Zeit an Oberflächen halten, wenn hierfür günstige Bedingungen vorhanden sind. Neue Trinkwassersysteme oder fachgerechte Installationen sind keine Garantie für legionellenfreies Wasser! Sie überleben bei Temperaturen zwischen 25 und 50°C im Warmwassersystem. Die ebenso gefährlichen Pseudomonas können sich auch bei deutlich kälteren Wassertemperaturen in der Trinkwasseranlage vermehren.

Eine Übertragung ist durch Kontakt mit Leitungswasser möglich, wenn die Legionellen durch Wasserdampf oder Wasserspritzer in die Lunge gelangen. Vor allem Duschen, Systeme wie Klimaanlagen, Luftbefeuchter, Whirlpools, Nebelerzeuger, Brunnen, und weitere Wassersysteme bieten ein Infektionsrisiko.

Durch das hohe Gesundheitsrisiko liegt nach der aktuellen Trinkwasserverordnung der technische Maßnahmenwert bei 100 KBE pro 100 ml (entspricht kolonienbildenden Einheiten pro ml). Sollte dieser Wert überschritten sein, müssen dringend Maßnahmen zur hygienisch-technischen Überprüfung der Trinkwasserinstallation durch den Betreiber der Anlage eingeleitet werden. Für die regelmäßige Überprüfung dieses Wertes sind nach Trinkwasserverordnung systemische Untersuchungen für bestimmte Installationen Vorschrift.

Nach dem DVGW-Arbeitsblattes W 551 der Trinkwasserverordnung sind regelmäßige und systemische Untersuchungen auf Legionellen für alle öffentlichen oder gewerblich genutzten Trinkwasseranlagen vorgeschrieben. Systemisch bedeutet hierbei, dass eine Stichprobe zur Prüfung der möglichen Kontamination mit Legionellen an Stellen der Trinkwasserinstallation dient, die einen Einfluss auf eine erhöhte Anzahl an Entnahmestellen haben kann. Dies trifft besonders auf Verteiler, Trinkwassererwärmungsanlagen oder Zirkulationsleitungen zu.

Für Betreiber und Inhaber von Wasserversorgungsanlagen im Sinne des §3 der Trinkwasserverordnung (fast alle öffentlichen oder gewerblich genutzten Trinkwasserinstallationen) sind wichtige Neuerungen der Trinkwasserverordnung zu beachten.

Nach §§ 5 und 6 werden mit mikrobiologischen und chemischen Anforderungen an das Trinkwasser neue Grenzwerte und Parameter festgelegt. Auch für die Zeiträume und Stellen dieser Untersuchung ergeben sich Neuerungen: regelmäßige Wasserproben müssen zur Untersuchung eingereicht werden. Davon betroffen sind öffentliche und gewerbliche Gebäude mit Großanlagen – wie Schulen, Krankenhäuser, Sportzentren, Mehrfamilienhäuser, Wohnungsbaugesellschaften, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Hotels.

Eine Großanlage ist nach Arbeitsblatt W551 eine Anlage mit einem Warmwasserspeicher von über 400 l oder einem Leitungsvolumen von mehr als 3 l. Die Untersuchungsintervalle für öffentliche Anlagen laufen jährlich, für gewerblich genutzte Anlagen dreijährig.

In Deutschland wird das Trinkwasser durch geprüfte Sicherungssysteme auf der Leitung vom Wasserwerk bis zur Hausinstallation stark geschützt. Für die Qualität des Trinkwassers ab der kommunalen Übergabestelle, dem Wasserzähler, bis zur tatsächlichen Wasserausgabe, z.B. dem Zapfhahn, ist der Betreiber der gebäudeeigenen Trinkwasseranlage verantwortlich. Bei Nichteinhaltung der gesetzlichen Vorgaben sind strafrechtliche Konsequenzen zu erwarten.

Durch eine Ortsbegehung oder mithilfe einer vorhandenen Dokumentation der Trinkwasserinstallation (in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt) werden die repräsentativen Probenahmestellen identifiziert und festgelegt. Die Auflagen des DVGW-Arbeitsblattes W 551 und des Umweltbundesamtes (UBA) müssen hierbeistreng beachtet werden. Nach Vorgaben des UBA ist die „Festlegung der Probenahmestellen durch hygienisch-kompetentes Personal (z.B. technische Inspektionsstellen, Fachplaner oder Installateurbetriebe) mit nachgewiesener Qualifikation zu treffen. Qualifikationsnachweise sind insbesondere Bescheinigung oder Zertifikat einer Schulung z.B. nach VDI 6023 oder Nachweis einer DVGW-Schulung speziell zu Probenahmen zur systemischen Untersuchung auf Legionellen in Trinkwasserinstallationen“.

Die Trinkwasserverordnung unterscheidet hinsichtlich des Untersuchungsumfangs zwischen zwei Untersuchungsverfahren, der orientierenden und der weitergehenden Untersuchung. Die Beprobung muss unabhängig der Durchführung im normalen Betriebszustand an den festgelegten Probenahmestellen am gleichen Kalendertag erfolgen.

Die orientierende Untersuchung ist für eine erste Beurteilung des mikrobiologischen Zustands des Trinkwassers zweckmässig. Die Probe muss nach DIN EN ISO 19458 durchgeführt werden. Für die korrekte Ausführung müssen an drei Stellen Proben entnommen werden: 1. am Abgang der Leitung für Trinkwasser (warm) vom Trinkwassererwärmer, 2. am Wiedereintritt in den Trinkwassererwärmer (Zirkulationsleitung) und 3. an der entferntesten Entnahmestelle pro Steigstrang (z.B. Spülbecken). Hingegen muss nicht jeder Steigstrang geprüft werden, wenn die beprobten Steigstränge Aussagen über nicht beprobte Steigstränge zulassen (z.B. durch ähnliche Bauweise oder gleiche Nutzung).

Die weitergehenden Untersuchung unterscheidet sich durch zusätzliche Proben an jeder Zirkulationssammelleitung, an einzelnen Leitungen pro Stockwerk und an Leitungsabschnitten mit Wasser-Stagnation.

Die Trinkwasserinstallation für warmes Wasser und die Installation für kaltes Trinkwasser müssen getrennt beprobt werden. Durch die Beprobung von Mischwasser kann das Ergebnis verfälscht werden. Legionellen werden z.B. nur in Warmwasser auftreten, das Kaltwasser würde die Bakterienkonzentration verdünnen.

Es sind alle Trinkwasseranlagen-Betreiber betroffen, die Wasser an Dritte abgeben. Öffentliche Einrichtungen (z.B. Krankenhäuser, Schulen, Sportplätze) Private Vermieter von ImmobilienGewerbliche Betreiber (z.B. Gaststätten, Hotels).

Dabei ist vielen Betreibern die aktuelle Gesetzespflicht noch unbekannt. Seit dem 31.12.2013 können Betreiber von Trinkwasseranlagen mit Strafen und Haftungsansprüchen konfrontiert werden.

Zu untersuchen sind alle Trinkwasserinstallationen in Gebäuden, wenn folgende Sachlagen vorliegen:Trinkwasser wird im Rahmen einer öffentlichen oder gewerblichen Tätigkeit abgegeben (z.B. in Kindergärten oder Hotels)Zur Trinkwasser-Erwärmung wird eine Großanlage genutzt Duschen oder andere Einrichtungen, die zu einer Vernebelung des Trinkwassers führen, sind für Dritte zugänglich.

Nach Trinkwasserverordnung kann das Vorliegen einer „Großanlage zur Trinkwassererwärmung" auf zwei Arten festgestellt werden:

1. Es liegt ein Warmwasserspeicher von über 400 Liter Fassungsvermögen vor oder
2. das Leitungsvolumen beträgt mehr als 3 Liter.

Die Beprobung der Trinkwasseranlage muss durch einen Fachbetrieb oder -mann erfolgen, der bei einem Labor akkreditiert ist. Von den zugelassenen Stellen müssen an mindestens drei Stellen der Trinkwasseranlage Proben entnommen werden und zur Analyse im Labor eingesendet werden. Der Ablauf der Probenahme und zugehörigen Analyse im Labor ist vom Umweltbundesamt und dem DVGW vorgegeben und muss strengstens eingehalten werden.

Die anfallenden Kosten bei einer Beprobung der Trinkwasseranlage werden vom Betreiber getragen. Vermieter können diese Kosten auf die Mieter umleiten.

Der Betreiber einer Anlage ist aufgefordert, Abnehmer über verwendete Aufbereitungsstoffe zu informieren. Bei alten Installationen ist den Abnehmern zudem der Bleigehalt des Wassers mitzuteilen.

Bei einer Beanstandung durch eine verdachterregende Wasserprobe muss nachgebessert werden. Meistens kommt es zu einer Stilllegung der Anlage oder betroffenen Elementen (z.B. Zapfhähne). Wenn die vom Gesundheitsamt geforderten Maßnahmen nicht eingehalten werden, kann mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 €gerechnet werden. Fallabhängig kann es zusätzlich zu Haftbarkeitsansprüchen von Seiten geschädigter Wasserabnehmer kommen. Bei schweren gesundheitlichen und / oder materiellen Schäden muss mit sehr strengen Strafen gerechnet werden.

Betroffene Abnehmer des Trinkwassers müssen im Beanstandungsfall dringend und umgehend benachrichtigt werden, um schwerwiegende Folgen abzuhalten.

Ob Vermieter oder Betreiber einer öffentlichen Anlage: Sie müssen dafür sorgen, dass Ihre Wasserleitungen von Bakterien befreit bleiben und Ihr Trinkwasser eine gesunde Qualität aufweist.

Die IUVENTAS Trinkwasserhygiene ist ein qualifizierter Dienstleister zur Beprobung und Untersuchung des Trinkwassers und in Partnerschaft mit akkreditierten Laboren und Analytik Zentren.

Dabei prüfen wir Ihre Trinkwasserinstallation, installieren Beprobungsventile und entnehmen vorschriftsgemäß drei Wasserproben, zwei an der Warmwasser- und Zirkulationsleitung im Keller, und eine an der am weitesten entfernt gelegenen Entnahmestelle. Die Proben gehen dann zur mikrobiologischen Untersuchung an das amtlich registrierte Labor. Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse und stehen wir Ihnen beratend zu Seite und besprechen mögliche weitere Schritte.

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